Welcher Laser für welches Material? CO2, Faser und der Rest
Fast jede Woche fragt uns jemand: "Könnt ihr mir das auch auf meinen Edelstahlbecher gravieren?" Klar können wir. Aber nicht mit derselben Maschine, mit der wir dein Holzbrettchen gravieren. Und genau das ist der Punkt, den kaum jemand kennt: Ein Laser ist kein Alleskönner. Er ist ein Spezialist. Welcher Laser welches Material sauber graviert, entscheidet sich an einer einzigen Zahl.
Der ganze Trick heißt Wellenlänge
Ein Laserstrahl ist Licht. Und Licht wirkt nur dort, wo es geschluckt wird. Was ein Material nicht absorbiert, wirft es zurück oder lässt es durch. Dann passiert schlicht nichts, egal wie viel Leistung du draufgibst.
Deshalb ist die Wellenlänge das entscheidende Kriterium. Die beiden Grundtypen arbeiten in völlig unterschiedlichen Bereichen:
Zehnmal kürzer klingt nach einem Detail. Für das Material ist es der Unterschied zwischen "brennt sich sauber ein" und "passiert gar nichts".
Vier Lasertypen, vier Aufgaben
Bei uns in Rain stehen nicht nur zwei Sorten, sondern vier. Wir gönnen uns den Luxus, für jede Materialgruppe die passende Maschine zu haben. Manche sogar doppelt, damit nicht die halbe Werkstatt wartet, wenn eine Charge Tassen läuft.
- CO2: Holz, Leder, Papier, Acryl, Glas, Keramikglasur, beschichtete Metalle.
- Faserlaser: blankes Metall, Edelstahl, Aluminium, viele Kunststoffe.
- ND:YAG: ebenfalls im 1064-Nanometer-Bereich, robust und stark bei tiefen, dauerhaften Metallgravuren.
- MOPA: ein Faserlaser, bei dem sich die Pulsdauer frei einstellen lässt. Das ist die Maschine für die Feinheiten, für die andere zu grob sind.
CO2-Laser: der Spezialist für alles Organische
Die 10,6 Mikrometer des CO2-Lasers treffen genau den Bereich, in dem Wasser und organische Stoffe Energie regelrecht aufsaugen. Holz, Leder, Papier, Kork, Acryl, Gummi, Textil: All das hat eine Molekülstruktur, die diese Wellenlänge fast vollständig schluckt.
Und weil die Energie direkt an der Oberfläche ankommt und nicht tief einsickert, wird sie sauber in Hitze umgesetzt. Das Material verdampft punktgenau, die Ränder bleiben scharf. Deshalb sieht eine Holzgravur so gut aus: dunkler Kontrast, feine Linien, kein Verlaufen. Bei unseren Holzartikeln mit Gravur arbeiten wir genau so.
Warum blankes Metall den CO2-Laser einfach ignoriert
Jetzt der Umkehrschluss. Metall ist das genaue Gegenteil von organisch. Eine blanke Edelstahl- oder Alu-Oberfläche wirkt bei 10,6 Mikrometern wie ein Spiegel. Nur ein winziger Teil der Energie wird aufgenommen, der Rest wird reflektiert.
Das Ergebnis: keine Gravur. Nicht "schwache Gravur", sondern schlicht nichts. Und mehr Leistung löst das Problem nicht, sondern verschlimmert es. Wer versucht, mit Gewalt durchzudrücken, bringt vor allem Wärme ins Bauteil. Das verzieht das Material und feine Schriften werden unlesbar. Ganz nüchtern betrachtet: Ohne Hilfsmittel ist eine CO2-Quelle für blankes Metall grundsätzlich nicht geeignet. Auch Trotec, der Hersteller unserer Maschinen, sagt das so.
Der Umweg über Markierspray
Man kann eine Markierpaste oder ein Markierspray auf das Metall auftragen. Das Zeug muss trocknen, wird dann vom Laser eingebrannt und soll sich mit der Oberfläche verbinden. Danach werden die Reste abgewaschen.
Im Hobbybereich läuft das oft mit Kreidespray, weil Dioden- und Einsteigerlaser Metall sonst gar nicht anfassen können. Funktioniert für den Küchentisch, hat aber zwei Haken, die für uns Ausschlusskriterien sind:
- Du siehst das Ergebnis erst nach dem Abwaschen. Bis dahin arbeitest du blind. Bei einem Einzelstück ärgerlich, bei einer Serie ein Risiko.
- Es hält nicht dauerhaft. Die Markierung sitzt oben auf, statt im Material zu sein. Spülmaschine, Reibung und Zeit arbeiten dagegen.
Dazu kommt: Diese Mittel gelten als Gefahrgut, und bei hochwertigen Oberflächen ist das Reinigen heikel. Für 110.000 Produkte im Jahr keine Option.
Und was ist mit Diodenlasern?
Diodenlaser sind gerade das große Thema im Hobbybereich, und das zu Recht. Sie sind günstig, kompakt und machen auf Holz und Leder richtig gute Ergebnisse. Ihre kurze, meist blaue Wellenlänge lässt sich fein fokussieren.
Ihre Grenze liegt bei Metall und bei der Menge. Blanken Edelstahl gravieren sie nicht ohne Hilfsmittel, und für Serien fehlt ihnen die Geschwindigkeit und die Wiederholgenauigkeit. Wenn du zuhause anfängst: absolut die richtige Einstiegsmaschine. Wenn 500.000 Kunden ein gleichbleibendes Ergebnis erwarten: nicht das passende Werkzeug.
Pulverbeschichtetes Metall: hier gewinnt der CO2-Laser
Wenn ein Metallteil pulverbeschichtet ist, liegt oben eine Lackschicht, die die CO2-Wellenlänge hervorragend aufnimmt. Der Laser trägt diese Schicht sauber ab und lässt das Metall darunter völlig unangetastet. Genau das ist der Punkt: Die Oberfläche wird nicht angegriffen, und dadurch entsteht eine sehr saubere, klar abgegrenzte Gravur.
Mit dem Faserlaser geht das ebenfalls sehr gut, ist aber deutlich kritischer. Er trägt nicht nur die Beschichtung ab, sondern graviert die Metalloberfläche gleich mit. Das kann man wollen, es verlangt aber perfekte Einstellungen und Erfahrung. Hier ist Können gefragt, nicht Leistung.
So entstehen unsere schwarze Lunchbox aus Edelstahl und der schwarz pulverbeschichtete Edelstahlbecher: Die matte Beschichtung geht weg, das Silber kommt raus. Wer die Box lieber unbeschichtet mag, greift zur 1000 ml Lunchbox aus blankem Edelstahl. Die läuft dann über den Faserlaser.
Faserlaser: hell oder dunkel, du entscheidest
Bei rund 1064 Nanometern ändert sich das Spiel komplett. Diese Wellenlänge wird von Metall gut aufgenommen. Dazu kommt: Kurzes Licht lässt sich enger fokussieren. Der Brennpunkt ist winziger, die Energiedichte höher, die Details feiner. Weder Spray noch Vorbehandlung nötig.
Und jetzt kommt der Teil, den fast niemand weiß: Metall lässt sich sowohl dunkel als auch hell gravieren. Nicht durch anderes Material, sondern durch andere Einstellungen. Über die Frequenz in Kilohertz, die Pulsdauer und die Geschwindigkeit steuern wir, wie viel Energie pro Puls ins Material geht.
- Dunkel: Die Oberfläche wird angelassen, es entsteht eine dunkle Oxidschicht. Kein Materialabtrag, sehr feine Details.
- Hell: Mehr Abtrag, die Oberfläche wird aufgeraut und streut das Licht. Ergebnis ist eine helle, mattierte Gravur.
Beides hält ein Produktleben lang und geht auch in der Spülmaschine nicht weg, weil nichts aufgetragen wird, sondern das Material selbst verändert wird.
Kunststoff: das unterschätzte Material
Kunststoff wird in solchen Übersichten fast immer vergessen, dabei ist er im Alltag überall. Und er ist der Fall, bei dem beide Lager mitspielen.
Mit dem CO2-Laser lassen sich Laminate und Gravurschichtstoffe sauber durchgravieren, also die klassischen Schilder mit farbigem Kern. Mit dem Faserlaser markieren wir technische Kunststoffe direkt, ohne Abtrag, dafür dauerhaft und abriebfest. Welcher Weg der richtige ist, hängt vom Kunststofftyp und vom gewünschten Kontrast ab. Beim MOPA lässt sich über die Pulsdauer noch feiner steuern, wie stark der Kunststoff reagiert und ob er hell oder dunkel wird.
Und warum gravieren wir Tassen mit beiden Lasern?
Weil eine Keramiktasse technisch gesehen zwei Materialien in einem ist: der Scherben aus gebranntem Ton und darüber die Glasur, also im Prinzip eine dünne Glasschicht.
Glas absorbiert die 10,6 Mikrometer des CO2-Lasers sehr gut. Der Strahl bricht die Glasur mikrofein auf und mattiert sie. Der Faserlaser kommt über seine hohe Energiedichte und den feinen Fokus ebenfalls durch die Glasur, nur über einen anderen Weg.
Zwei Wege, zwei Charaktere im Ergebnis. Deshalb entscheiden wir pro Produkt, welche Maschine drankommt:
- Weiße glänzende Tasse: Hier zählt maximaler Kontrast zwischen mattierter Gravur und glänzender Glasur.
- Matte Tasse: Hier wollen wir keinen harten Kontrast, sondern den Ton-in-Ton-Effekt. Die Gravur soll sich schattig abheben, nicht schreien. Das siehst du bei unserer matten Keramikserie besonders schön.
- Dunkle oder farbige Glasur: Je nach Farbtiefe reagiert die Glasur unterschiedlich. Wir testen jede neue Charge, bevor sie in den Shop geht.
Und eine Tasse ist danach mehrere Minuten in der Maschine, nicht ein paar Sekunden.
Die Kurzfassung als Tabelle
Der Teil, über den keiner spricht: die Parameter
Die Maschine ist nur die halbe Miete. Jede unserer Maschinen hat ihre eigenen Einstellungen, mittlerweile weit über 100 Parametersätze pro Gerät. Weil jede Maschine ihre Eigenart hat: andere Linse, andere Leistung, anderer Arbeitsbereich, andere Möglichkeiten. Zwei baugleiche Laser laufen bei uns nicht mit identischen Werten.
Deshalb bekomme ich regelmäßig die Frage: "Kannst du mir sagen, mit welchen Werten du das gravierst?" Ja, kann ich. Bringt dir nur nichts. Wenn ich dir 100 Prozent Leistung, 32 Prozent Geschwindigkeit, 600 dpi und 20 Kilohertz nenne, hast du davon genau nichts, weil du unsere Maschine nicht bei dir stehen hast. Die Werte gelten für dieses eine Gerät mit dieser einen Linse und diesem einen Material.
Diese Parametersätze sind über Jahre entstanden, Charge für Charge, Fehlversuch für Fehlversuch. Das ist die eigentliche Arbeit hinter einer sauberen Gravur.
Was du daraus mitnimmst
Wenn dir jemand einen Laser verkauft, der angeblich alles kann, sei skeptisch. Es gibt keinen Universallaser, es gibt nur das passende Werkzeug für das Material vor dir. Wir gravieren seit 2007, und genau deshalb ist unsere Werkstatt so gewachsen: Jedes neue Material brachte eine neue Maschine mit sich, oder zumindest einen neuen Parametersatz.
Häufige Fragen
Kann ein CO2-Laser Metall gravieren?
Blankes Metall nicht. Die Wellenlänge von 10,6 Mikrometern wird zu stark reflektiert. Mit Markierspray oder bei beschichtetem Metall geht es, dann graviert der Laser aber nicht das Metall selbst, sondern die Schicht darüber.
Was ist der Unterschied zwischen CO2-Laser und Faserlaser?
Die Wellenlänge. CO2 liegt bei 10,6 Mikrometern und ist stark bei organischen Materialien, Glas und Beschichtungen. Der Faserlaser liegt bei rund 1064 Nanometern und ist die richtige Wahl für Metall.
Was bringt Kreidespray beim Lasern von Metall?
Es liefert dem Laser eine Schicht, die er überhaupt aufnehmen kann. Zwei Nachteile: Du siehst das Ergebnis erst nach dem Abwaschen, und die Markierung sitzt oben auf statt im Material, hält also nicht dauerhaft.
Kann ein Diodenlaser Edelstahl gravieren?
Ohne Hilfsmittel nicht. Auf Holz und Leder sind Diodenlaser stark, bei blankem Metall brauchen sie Markierspray. Für Serien fehlt ihnen zusätzlich Tempo und Wiederholgenauigkeit.
Wird die Gravur auf Edelstahl hell oder dunkel?
Beides ist möglich. Über Frequenz, Pulsdauer und Geschwindigkeit steuern wir, ob die Oberfläche dunkel angelassen oder hell mattiert wird. Auf pulverbeschichtetem Edelstahl wird sie hell, weil dort die dunkle Schicht abgetragen wird.
Ist Lasergravur auf Edelstahl spülmaschinenfest?
Ja. Es wird nichts aufgedruckt oder aufgeklebt, sondern die Oberfläche selbst dauerhaft verändert. Das hält, solange das Produkt hält.
Welcher Laser eignet sich für Kunststoff?
Kommt auf den Kunststoff an. Gravurlaminate und Schilder laufen über CO2, technische Kunststoffe markieren wir mit Faser oder MOPA direkt und ohne Abtrag.
Kann man Keramiktassen lasern?
Ja, über die Glasur. Der Laser mattiert sie mikrofein und erzeugt dadurch den Kontrast. Auf matten Tassen entsteht ein feiner Ton-in-Ton-Effekt, auf glänzenden ein starker Kontrast.
Welcher Laser eignet sich für Holz?
Der CO2-Laser. Holz absorbiert seine Wellenlänge fast vollständig, dadurch entstehen scharfe Kanten und ein warmer dunkler Kontrast.
Kann ein Faserlaser Holz gravieren?
Nur schlecht. Holz nimmt 1064 Nanometer deutlich schwächer auf, das Ergebnis wird ungleichmäßig. Deshalb bleibt Holz beim CO2-Laser.
Mehr über unsere Werkstatt findest du auf der Seite Über uns, echte Kundenprojekte auf unseren Referenzen. Und wenn du jetzt Lust bekommen hast, selbst etwas gravieren zu lassen: Auf Tassen Gravur Ideen findest du Inspiration für dein eigenes Unikat.
Jedes Geschenk ein Unikat. Jede Gravur deine Geschichte.